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Betriebswirtschaftliche und produktionstechnische Auswertungen

 

Wirtschaftliche Aspekte

 

 Die Schafhaltung in Schleswig-Holstein, dem nördlichsten Bundesland ist durch intensive Koppelschafhaltung geprägt. Die weit verbreitete Deichschafhaltung ist in gewisser Weise auch eine intensive Koppelschafhaltung. Schwerpunktmäßig werden die meisten Schafe an der Westküste auf Grünlandstandorten gehalten - insgesamt etwa 70 % des Gesamtschafbestandes nur in den Kreisen Nordfriesland und Dithmarschen.

Mit den nachfolgenden Auswertungen wollen wir einige unserer betriebswirtschaftlichen Ergebnisse darstellen

 

 

Zu den Einnahmen

 

Wie sich in den Grafiken an den verschiedenen „Einnahmensäulen“ ableiten lässt, geht der überwiegende Anteil der Umsätze in einer Schäferei auf den Lammverkauf zurück. Er beträgt etwa 3/4 des Umsatzes. Die Agrarprämie, die ja seit 2005 als Flächenprämie ausgezahlt wird, geht an dieser Stelle noch nicht mit in die Erfolgsrechnung ein.

 

Die wichtigsten Kennzahlen für ein gutes betriebswirtschaftliches Ergebnis sind die Lämmerverkäufe nach ihrer Stückzahl und dem Gewicht. Als Faustzahl gilt: es sollte mehr als ein Lamm je Mutterschaf verkauft werden. Dies gelingt erfahrungsgemäss erst dann, wenn die Produktivitätszahl über 1,4-1,5 Lämmer je Mutterschaf ist. Der Maßstab „Produktivitätszahl“ ist der strengste, denn hierbei werden sowohl die nicht tragend gewordenen Schafe als auch die Zahl der Lämmerverluste in der Stallzeit berücksichtigt.

 

 

Die Produktivitätszahl ist per Definition:

Anzahl der aufgezogenen Lämmer / Anzahl der zum Bock geführten Schafe

Von den 1,5 aufgezogenen Lämmern werden etwa 0,2 bis 0,25 zur Bestandsergänzung benötigt und ein geringer Teil (etwa 5 bis 8 %) sind Weideverluste. D.h. je höher die Produktivitätszahl ausfällt, desto mehr Lämmer können auch vermarktet werden.

 

Der zweite wichtige Posten sind die Vermarktungsgewichte. Seit Jahren beträgt das Lämmergewicht bei uns im Durchschnitt 45 kg lebend. Die überwiegend in Schleswig-Holstein gehaltene Schafrasse ist das Texelschaf, meist in Kreuzung mit Weißköpfigen Fleischschafen oder dem Suffolk-Schaf, die diese Endgewichte meistens nur durch die Weidehaltung erreichen.

 

Die dritte wichtige Einflussgröße auf den Erlös aus der Lämmerhaltung ist natürlich der Marktpreis, dem sich die Schäfer fügen müssen. Bei uns wird meist auf Lebendgewichtbasis abgerechnet, ohne Zuschläge für gute Qualitäten. Die Schäfer wissen, dass ein Preishoch um Ostern, einer recht lämmerknappen Zeit und ein Preistief in den Monaten Juli/August (Ferien, Absetztermin für die Lämmer) auf sie zukommen wird. Sie können sich entsprechend in ihrer Vermarktungsstrategie verhalten.

 

 

 

Zur Kostenseite:

Bei den Kosten gehen mehr als 50 % allein auf das Futter zurück (Grundfutter und Kraftfutter). Die Lämmer in Schleswig-Holstein werden zum überwiegenden Teil nur auf dem Grünland ausgemästet und die Stallhaltungszeit ist bei einer März/April-Lammung dementsprechend kurz, 6-8 Wochen für eine grössere Schäferei. Die gelammten Schafe kommen bald nach der Geburt mit den Lämmern auf die Weide, wenn die Witterung bzw. das Futterangebot es zulassen.

 

Silage in Wickelballen hat sich auf 80 % der Betriebe durchgesetzt. Die Vorteile liegen in der Futtervorlagetechnik, in der flexiblen Futtergewinnung und dem Einsatz im Herbst, wenn Lämmer nachgemästet werden sollen, die auf den Herbstweiden nicht mehr so hohe Zunahmen haben.

 

Die Tierarztkosten an den variablen Kosten sind eher gering. Oberstes Ziel muss eine gesunde Herde sein. Impfungen und Entwurmungen stehen dabei an erster Stelle. Hier zu sparen würde sich immer im Betriebsergebnis rächen.

 

Zu erklären wären noch die PKW-Kosten. Neben der täglichen Tierkontrolle im Sommer kommen Fahrkosten im Herbst bis zum Beginn der Lammzeit hinzu. Durch die meist relativ milden Winter bei uns, können die Schafe ganzjährig draussen bleiben und werden, wie oben schon erwähnt, nur kurz in der Lammzeit aufgestallt. Eine kostenintensive Stallhaltungszeit entfällt also. Die Schafe weiden im Winter Flächen rindviehhaltender Betriebe nach und ersparen dem Landwirt damit den letzten Herbstpflegeschnitt. Die Schäfer pflegen im Winter viele 100 ha Grünland und entfernen sich dabei immer weiter vom Wohnsitz. So kommt es, dass die PKW-Kosten für Tierkontrolle und Umweiden nicht unerheblich sind. Sie sind eigentlich eine andere Art der Futterkosten. Zum Verständnis: die PKW-Kosten werden nach der anteiligen km-Leistung für die Schafe mit einer km-Pauschale von 0,30 EUR/km berechnet.

 

 

Über die direktkostenfreien Leistungen zum kalkulatorischen Betriebszweigergebnis

Die direktkostenfreien Leistungen ergeben sich aus der Differenz zwischen den Einnahmen und den Direktkosten. Aber es gibt noch weitere Kosten, die bisher nicht zugeordnet worden sind. Es sind die Arbeitserledigungskosten, hierunter fallen z.B. Fremdlöhne, Lohnarbeiten oder Maschinenkosten. Daneben dürfen auch die Gebäudekosten nicht vernachlässigt werden (Abschreibung, Reparaturen u.dgl.). Unter Berücksichtigung der sonstigen Kosten (z.B. Buchführung, Bürobedarf, Betriebshaftpflicht und Hundefutter) ergibt sich letztendlich das kalkulatorische Betriebszweigergebnis. Um ein einfacheres Wort dafür zu finden – entspräche dies dem Ergebnis, das eine Schäferei aus „eigener Arbeit“ verdient hat. Oder es wäre der Stundenlohn für die eigene Arbeit, wenn man das kalkulatorische Betriebszweigergebnis durch die Arbeitsstunden des Betriebsleiters teilen würde. Nach unseren Stundenzahlermittlungen kommt ein Betriebsleiter auf 3000-3500 Stunden/Jahr in einer Schäferei mit über 800 Mutterschafen - Familien-AK noch nicht eingerechnet. Fremdarbeitskräfte, wie z.B. Aushilfen, Lehrlinge oder Angestellte sind in der Stundenkalkulation insofern nicht berücksichtigt, als ihre Stunden bereits mit den Lohn- und Lohnnebenkosten erfasst sind und unter die Arbeitserledigungskosten fallen.

 

Zum Ende der Berechnungen fehlt noch die Agrarprämie, die nicht mehr tierbezogen ausgezahlt wird. Sie ist direkt mit der Fläche verbunden. Im Jahr 2013 soll die Endgröße von theoretisch
360 €/ha (Modulationsabzüge) erreicht sein. Damit sind flächenstarke, extensive Betriebe (geringerer Schafbesatz je ha) prämientechnisch gegenüber intensiven Koppelschäfereien überlegen.

 

Wie sich auch an der Grafik zum Ringdurchschnitt sehr deutlich ablesen lässt, ist der Anteil der Agrarprämien am gesamten Betriebseinkommen bei rund 90 %. In der Tendenz wird dieser Anteil noch höher ausfallen, da die gestiegenen Betriebsmittelpreise nicht durch deutlich höhere Lammpreise kompensiert werden können.

 

 

 

Resümee

In der täglichen Beratungsarbeit und gerade durch die Betriebszweigauswertung wird es möglich, die Reserven auf den Betrieben zu finden. Nicht selten sind 20.000 € „mehr drin“, wenn der Betriebsleiter nur an ganz kleinen Schrauben dreht, die mit dem/r Berater/in besprochen werden. Es liegt am Betriebsleiter und seiner Selbstdisziplin dies richtig umzusetzen, damit sich der gewünschte Erfolg einstellt.